Vier Wochen. So lange lagen in Berlin zwischen dem Einbruch und dem Moment, in dem 1,4 Millionen Datensätze im Darknet standen.
Mirko Ross hat im „WDR5 „Morgenecho“ ausgesprochen was viele in der Branche seit Jahren sagen und was jetzt niemand mehr wegdiskutieren kann:
„IT-Systeme von Behörden dürften gar nicht erst kompromittierbar sein. Hier wurde sehr veraltete IT angegriffen. Das heißt, dass hier jemand die Systeme nicht richtig gepflegt hat.“
Anfang August verschaffen sich Angreifer Zugang zu Netzen der Berliner Verwaltung und kopieren Daten aus zwei Senatsverwaltungen.
Das Land zahlt kein Lösegeld.
Am 4. September stellt die Gruppe die Daten online – Personalakten, Beurteilungen, Bewerbungsunterlagen, Stundenzettel, Kontaktdaten von Beschäftigten. Das BSI hält es für möglich, dass auch Unterlagen zu kritischen Infrastrukturen dabei sind, etwa zu Krankenhäusern, Tanklagern und Notstromanlagen. Wer konkret betroffen ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt.
Der Punkt, den man leicht übersieht
Es geht nicht nur darum, dass alte Systeme leichter angreifbar sind. Sie machen einen auch blind. Veraltete Software liefert kaum verwertbare Protokolldaten – also fällt ein Angriff spät auf, und im Nachgang lässt sich schwer rekonstruieren, was tatsächlich abgeflossen ist. Genau das erleben die Betroffenen in Berlin gerade: Sie warten auf eine Antwort, die noch niemand geben kann.
Und dann ist da der Zeitpunkt. Die Veröffentlichung fiel zwei Wochen vor die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Das BSI warnt vor genau diesem Muster: echte Dokumente, gezielt platziert, in einen falschen Zusammenhang gerückt. Ein Wartungsversäumnis wird so zum politischen Hebel.
Vier Konsequenzen, die überfällig sind
- Behörden brauchen dieselben verbindlichen Sicherheitsanforderungen wie Unternehmen – mit Nachweispflicht, nicht als Selbsteinschätzung.
- Ohne vollständiges Inventar der eingesetzten Systeme und Softwarekomponenten gibt es kein funktionierendes Patch-Management.
- Haushalte müssen den Betrieb finanzieren, nicht nur die Anschaffung. Sicherheit ist eine Daueraufgabe.
- Angriffserkennung gehört zur Grundausstattung. Ein Vorfall, der wochenlang unbemerkt bleibt, ist kein Zufall.
Das Interview in voller Länge: Berliner Hackerangriff – „Vorfall mit Ansage“, WDR5 Morgenecho.

Konrad Buck
Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
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